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Andrej Tarkowskij

Geboren:      04.04.1932, Savrace/Ivanovo 
Gestorben:   29.12.1986, Paris

Biographie:

Sohn des Dichters Arsenij Tarkowskij; nach der Scheidung der Eltern arbeitet seine Mutter Maja Iwanowna Wischnijakowa als Korrektorin in einer Druckerei. Ab 1951 Studium in Moskau am Institut für östliche Sprachen, das er aber wieder abbricht. Ein Jahr lang Mitarbeiter des kirgisischen Gold-Instituts, für das er geologische Studien anfertigt. 1954 Aufnahme an die Moskauer Filmhochschule WGIK, wo Michail Romm sein wichtigster Lehrer wird. Auseinandersetzung mit dem Werk von Luis Buñuel, Ingmar Bergman, Akira Kurosawa, Kenji Mizoguchi, Federico Fellini, Robert Bresson, Michelangelo Antonioni, Charlie Chaplin, Alexander Dowshenko und Otar Iosseliani. 1961 Abschlußfilm "Katok i Skripka" ("Die Walze und die Geige"), in dem nicht nur viele seiner Motive anklingen, sondern auch die lebenslange Auseinandersetzung mit der sowjetischen Kulturbürokratie beginnt. Im selben Jahr erhält Tarkowskij von Mosfilm den Auftrag, anstelle von E. Abalow das Filmprojekt "Iwans Kindheit" zu realisieren. Die expressive Schilderung der Kriegserlebnisse eines zwölfjährigen gerät zur Sensation; 1962 erhält der Film in Venedig einen Goldenen Löwen. 1964 Dreharbeiten zu "Andrej Rubljow" (Drehbuch gemeinsam mit A. Michalkow-Kontschalowskij), die sich bis Ende 1965 hinziehen. Die heftige Kritik staatlicher Stellen an der Lebensgeschichte des russischen Ikonenmalers zwingt Tarkowskij zur Überarbeitung (er kürzte den Film von 220 Min. zunächst auf 194, später auf 185 Min.), ohne sich den inhaltlichen und ästhetischen Vorwürfen zu beugen. Die Folge ist ein jahrelanger, zermürbender Kampf mit den Behörden; gegen deren Willen läuft "Andrej Rubljow" 1969 schließlich in einer Nebenreihe in Cannes (1971 kommt er in die sowjetischen Kinos; 1973 wird er für den Export freigegeben). Um Reibereien mit den Kulturfunktionären zu entgegen, die in Tarkowskijs grüblerisch-mediativem Filmstil Subjektivismus wittern, wendet er sich dem SF- Roman "Solaris" von Stanislaw Lem zu, der 1972 in Cannes mit dem Preis der Jury geehrt wird. Mit "Der Spiegel", seinem formal komplexesten und autobiografischsten Film (1975), ist der Burgfriede mit der Bürokratie allerdings wieder aufgehoben. Trotzdem erhält er 1977 die Erlaubnis, "Stalker" nach Motiven eines SF-Romans der Brüder Strugatzkij zu drehen, der 1979 fertig wird und in Deutschland die fast kultische Tarkowskij-Rezeption begründet. Als die Vorarbeiten zu "Nostalghia" (1983) wieder zur erdrückenden Geduldsprobe werden, bittet er in Italien um politisches Exil. Obwohl Tarkowskij nun in seiner Kreativität nicht mehr gegängelt wird und seine Filme auf hohe Resonanz stoßen, fühlt er sich in der Emigration nie wohl. Sein ruheloses Wanderleben durch die europäischen Metropolen (Paris, London, Berlin) gleicht auf erschreckende Weise der Unrast seiner Hauptfigur aus "Nostalghia", die unter starkem Heimweh leidet und vor ihrer Rückkehr nach Rußland stirbt. Als die Dreharbeiten zu "Opfer" (1986) beginnen, ist Tarkowskij bereits an tödlichem Lungenkrebs erkrankt. 1985 veröffentlicht er die Aufsatzsammlung "Die versiegelte Zeit", in der er seine Gedanken zur Ästhetik und Poetik des Films niederlegt. Posthum werden Auszüge aus seinen Tagebüchern ("Martyrolog I und II") sowie Drehbücher und verschiedene Treatments publiziert. In der Sowjetunion erfährt sein Werk unter Gorbatschow eine neue Würdigung, die zahlreiche Schüler und Epigonen auf den Plan ruft. Doch ist Tarkowskij ein ebenso genialer wie einsamer Solitär, dessen künstlerisches Schaffen aus dem quälenden Ringen mit seinen inneren Widersprüchen erwächst. Unter dem Einfluss der deutschen Romantik und ihrer russischen Renaissance um die Jahrhundertwende verfolgt er ein kompromissloses, radikales Kunstideal, das in der Kinematografie einen Weg sieht, den Zuschauer mit existentiellen Fragen in Berührung zu bringen. Seine Filme gleichen deshalb nur an der Oberfläche traditionellen Kinoerzählungen. Ihre unverwechselbare Bildersprache mit stark assoziativ-kontemplativen Momenten versucht vielmehr eine dichte, poetisch- emotionale Atmosphäre zu schaffen, die ähnlich wie die orthodoxen Ikonen eine Art "Fenster" zum Absoluten aufstoßen soll. In der seelischen, nicht diskursiven Kommunikation mit Kunstwerken, so Tarkowskijs Überzeugung, lasse sich an Regionen rühren, die im Zuge der naturwissenschaftlich-technischen Entwicklung verlorengegangen sind. Obwohl eine solche "spirituelle" Ästhetik in manchen Kreisen der Filmkritik als vormodern abgetan und Tarkowskij zum "Metaphysiker" abgestempelt wurde, zählen seine enigmatisch-rätselhaften Filme zu den unwidersprochenen Meisterwerken der Filmgeschichte.

 

Filmographie:

1985 Opfer Buch, Regie, Schnitt 
1982 Nostalghia
Buch, Regie 
1979 Vorsicht, Schlangen!
Buch 
1978 Stalker
Regie 
1975 Der Spiegel (1975)
Buch, Regie 
1972 Solaris
Buch, Regie 
1966 Andrej Rubljow Buch,
Regie 
1962 Iwans Kindheit
Regie

Quelle: Lexikon des internationalen Films 1999/2000 (CD-ROM) Copyright 1999 Systhema Verlag, München

 

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