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Wim Wenders

 

Geboren:     14.08.1945, Düsseldorf

Biographie:

Als Sohn eines Arztes geboren, nimmt Wenders nach dem 1963 in Oberhausen abgelegten Abitur ein Studium der Medizin und Philosophie in München, Freiburg und Düsseldorf auf, das er aber nach vier Semestern abbricht. 1967 beginnt Wenders, der mit 12 Jahren seinen ersten 8mm-Film gedreht hat, ein Studium an der gerade neu gegründeten Hochschule für Film und Fernsehen in München. In seinen Kurzfilmen entwickelt er seinen eigenen Stil, der den Film als Schule des Sehens, als Medium der Suche nach Wahrheit, nach Authentizität versteht, die Kamera als "Waffe gegen das Elend der Dinge: gegen ihr Verschwinden" sieht. Lange Einstellungen und Kamerafahrten, die Bevorzugung der Bilder gegenüber dem Erzählen prägen den als "Münchner Stil" bekannt gewordenen formalen Charakter. Seit 1968 schreibt Wenders auch Filmkritiken für die Zeitschrift "Filmkritik" und die "Süddeutsche Zeitung" und veröffentlicht Texte und eine Kurzgeschichte in "Twen". In seinem Abschlußfilm "Summer in the City" erzählt Wenders die Geschichte eines aus dem Gefängnis entlassenen Mannes auf der Suche nach sich selbst. 1971 verfilmt Wenders für den WDR eine Erzählung von Peter Handke, "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter". Die Geschichte des Torwarts Bloch, der einen Mord begeht, ist die Geschichte einer Flucht und der Entfremdung von der Wirklichkeit. Als weitere Produktion für den WDR entsteht 1972 die Verfilmung des klassischen amerikanischen Romans von Nathaniel Hawthorne, "Der scharlachrote Buchstabe", mit Lou Castel und Senta Berger in den Hauptrollen. Der Film wird für Wenders zum Desaster, und der Regisseur schwört, nie mehr Filme drehen zu wollen, in denen keine Autos oder Telefonzellen vorkommen dürfen. Der nächste Film, "Alice in den Städten" (1973), ist ein frühes Meisterwerk, ein Roadmovie, das in Amerika beginnt und im Ruhrgebiet endet. Protagonist ist der Journalist Philip Winter, der durch die Begegnung mit einem achtjährigen Mädchen, das dessen Mutter bei ihm zurückgelassen hat, den verlorenen Bezug zu sich selbst und zur Realität wiederfindet. Rüdiger Vogler, Wenders' Lieblingsdarsteller, verkörpert nach der Figur des Philip Winter auch in den nächsten Filmen den typischen Wenders- Helden auf der Suche nach Heimat in einem Land, das ihm fremd geworden ist. In "Falsche Bewegung" (1974), zu dem wieder der mit Wenders eng befreundete Peter Handke das Buch schrieb, werden Motive aus Goethes "Wilhelm Meisters Lehrjahre" in die Gegenwart übertragen, so dass eine Bestandsaufnahme deutscher Befindlichkeit in der Mitte der 70er Jahre entsteht, die durch die Sehnsucht nach einer Utopie, die das Politische und Poetische vereint, überhöht wird. Mit seiner 1974 gegründeten eigenen Produktionsfirma, Wim Wenders Produktion, dreht Wenders ein im Verlauf der Dreharbeiten weitgehend improvisiertes Roadmovie, "Im Lauf der Zeit". Auf einer Reise, deren Stationen Provinzkinos entlang der Grenze zur DDR sind, entwickelt sich die Geschichte einer Männerfreundschaft, die gleichzeitig von der tiefen Sehnsucht nach einer geglückten Beziehung zu einer Frau erzählt. Wenders' nächstes Projekt, "Der amerikanische Freund" (1976), realisiert mit seiner neuen Produktionsfirma "Road Movies", ist die Verfilmung eines Kriminalromans von Patricia Highsmith. Damit verschafft sich Wenders internationale Aufmerksamkeit. Francis Ford Coppola bietet Wenders die Verfilmung eines Kriminalromans von Joe Gores an, in dem der Autor Dashiell Hammett in eine Detektivgeschichte im Stil der 'hard- boiled school' verwickelt wird. 1978 geht Wenders nach San Francisco, doch die Dreharbeiten werden zu einer ernüchternden Erfahrung. Seine Drehbuchentwürfe werden verändert, die Dreharbeiten ziehen sich endlos hin. Während seiner Jahre in Amerika dreht Wenders eine Film über das Sterben des von ihm verehrten Regisseurs Nicholas Ray, "Nick's Film - Lightning over Water" (1980), und einen Spielfilm, in dem er mit dem mörderischen Produktionssystem Hollywoods abrechnet. "Der Stand der Dinge" bringt ihm 1982 in Venedig den Goldenen Löwen und Fipresci-Preis ein. "Hammett" wird 1982 fertiggestellt, Wenders hat darin die Krimihandlung zugunsten einer Reflexion über das Erfinden von Geschichten zurückgedrängt. In Amerika dreht Wenders in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Dramatiker und Schauspieler Sam Shepard "Paris, Texas" (1984), die Geschichte eines Mannes, der sich mit seinem kleinen Sohn auf die Suche nach der Mutter macht, die er in einer Peep-Show wiederfindet. Dem Triumph in Cannes - Wenders gewinnt die Goldene Palme, den Preis der Ökumenischen Jury und den der FIPRESCI - folgt die Katastrophe in Deutschland. Wenders gerät mit dem Filmverlag der Autoren, den er 1971 mitbegründet hat, über die angemessene Auswertung des Films in einen Streit und tritt als Konsequenz davon als Gesellschafter zurück. Der Film wird Wenders' bis dato größter Publikumserfolg. Nach einem Dokumentarfilm über eines seiner Vorbilder, den japanischen Meisterregisseur Yasujiro Ozu, "Tokyo- Ga", realisiert Wenders einen weiteren Erfolgsfilm. "Der Himmel über Berlin" (1987) nach einem Drehbuch von Peter Handke erzählt von der Menschwerdung eines Engels, der sich in eine Trapezkünstlerin verliebt. Gleichzeitig ist der von einer spirituellen Dimension durchwirkte Film eine Zustandbeschreibung der geteilten Stadt Berlin und eine Reflexion über das Erzählen. Als ein Nebenwerk, das aber Wenders' Reflexion über den Wandel des Mediums Film deutlich macht, folgt 1988 der Essay-Film "Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten". Mit "Bis ans Ende der Welt" (1991) strebt Wenders die Krönung seines Werkes in einem ultimativen Roadmovie an. Die Geschichte einer Verfolgungsjagd um die Welt und der drohenden atomaren Vernichtung um die Jahrtausendwende verbindet Wenders mit der Anprangerung der verhängnisvollen Sucht nach Bildern, die selbst vor dem intimen Bereich des menschlichen Unterbewussten nicht halt macht. Der Film, den Wenders aus einer zwölfstündigen Rohfassung auf drei Stunden zusammenschneidet, wird ein Flop an der Kinokasse und erntet zum Teil böswillige Kritiken. Mit "In weiter Ferne, so nah" (1993) versucht Wenders, die Geschichte von "Der Himmel über Berlin" fortzusetzen, hat aber keinen vergleichbaren kommerziellen Erfolg. Der mit geringen Mitteln realisierte "Lisbon Story" (1994), trägt dazu bei, Wenders' Reputation bei der Kritik wieder zu erhöhen. Mit amerikanischen Stars wie Andie MacDowell und Bill Pullman dreht Wenders "The End of Violence", der sich bemüht, Publikumserwartungen eher zu entsprechen, ohne dabei die ernsthafte Reflexion über die Gewalt in den Medien und die reale Gewalt in den Städten zu vernachlässigen.

 

Filmographie:

1998 Buena Vista Social Club Regie
1997 Am Ende der Gewalt Buch, Produzent, Regie 
1995 Lumière & Compagnie Regie 
1995 Jenseits der Wolken Buch, Regie 
1994 Lisbon Story Buch, Regie 
1993 Neues Deutschland Darsteller 
1993 In weiter Ferne, so nah! Buch, Produzent, Regie 
1993 Die Brüder Skladanowsky Buch, Produzent, Regie, Darsteller 
1992 Die Abwesenheit Produzent 
1991 Bis ans Ende der Welt (1991) Buch, Produzent, Regie 
1988 Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten Buch, Regie 
1987 Eisenerde - Kupferhimmel Produzent 
1987 Helsinki-Napoli - All Night Long Darsteller 
1986 Der Himmel über Berlin Buch, Produzent, Regie 
1985 Tokyo-Ga Buch, Regie, Schnitt 
1984 Paris, Texas Regie 
1984 King Kongs Faust Darsteller 
1982 Der Stand der Dinge Buch, Regie 
1980 Nick's Film - Lightning over water Buch, Regie, Schnitt, Darsteller
1979 Radio on Produzent 
1978 Hammett Regie 
1977 Die linkshändige Frau Produzent 
1976 Der amerikanische Freund Buch, Regie 
1975 Im Lauf der Zeit Buch, Produzent, Regie 
1974 Falsche Bewegung Regie 
1973 Alice in den Städten Buch, Regie 
1972 Der scharlachrote Buchstabe (1972) Buch, Regie 
1971 Die Angst des Tormanns beim Elfmeter Buch, Regie 
1969 Summer in the City Buch, Produzent, Regie

Quelle: Lexikon des internationalen Films 1999/2000 (CD-ROM) Copyright 1999 Systhema Verlag, München

 

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